November 2011 Umweltbrief.org Greenwashing – Grünfärberei ___________________________ "Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen", so der Titel des Buches von Toralf Staud, das den Unteritel trägt: "Lügen, bis das Image stimmt". Es handelt von Firmen, die versuchen, rußigen Rauch und radioaktiven Müll irgendwie grün einzufärben. Es gibt ein englisches Wort dafür: Greenwashing, Grünfärberei. Bisher ist es vor allem für Unternehmen verwendet worden. Aber Mitte März 2009 stand der Klimaforscher James Hansen in einer Kathedrale im britischen Coventry und rief: "Greenwash ist die größte Bedrohung. Es bedeutet: so zu tun, als würde man verstehen. So zu tun, als würde man etwas tun." Angela Merkel haben Bilder aus dem Eis vorübergehend zur Umweltkanzlerin gemacht, und auch Sigmar Gabriel nutzten sie. "Man steht da, als täte man etwas", erklärt Toralf Staud. Doch schon ist Merkels Umweltvorsprung aus Grönland aber dahingeschmolzen, nachdem sie in Brüssel erfolgreich für die deutsche Autolobby und mehr Abgase gekämpft hat. So tun, als ob: Das verbindet die Grünfärberei in Politik mit der in der Wirtschaft. Umweltvorzüge eines Produkts werden gepriesen, negative Folgen dagegen verschwiegen. Mehr bei http://www.taz.de/digitaz/2009/05/23/a0003.nf/text 9 von 10 UN-Delegierten glauben, dass es Firmen gibt, die Produkte und Dienstleistungen als “grün” bewerben, obwohl sie es nachweislich nicht sind. 2008 fand der European Business Summit unter dem Stichwort "Greening the Economy" statt, eine Lobbyveranstaltung der europäischen Industrie. Ganz vorne mit dabei die Umweltschützer von BMW, Eon, Lufthansa und Shell. Allein das macht deutlich, dass die Green Economy ein sehr dehnbarer Begriff ist. RWE und Greenwashing In einem Imagespot von 2009, der wochenlang im Vorprogramm des Harry-Potter-Films lief, lässt RWE einen sympathischen Riesen friedlich durch eine idyllische grüne Landschaft stapfen. Er stellt Windräder und Gezeitenkraftwerke auf, und begrünt ehemalige Kohlegruben mit Rasen und Bäumen. "Es kann so leicht sein, Großes zu bewegen, wenn man ein Riese ist", stellt RWE als Motto ans Ende des Spots. Richtig bekannt geworden ist dieser RWE-Image-Spot jedoch erst durch eine Greenpeace-Kampagne gegen sogenanntes Greenwashing durch Atomkonzerne. "Was RWE mit seinem Imagespot treibt, grenzt an Volksverdummung", sagt Andree Böhling, Energieexperte bei Greenpeace. Greenpeace zeigte darauf den Energieriesen in einem eigenen Clip so, wie er wirklich ist. Nämlich ein rücksichtsloses Monster, dass auf Atomkraft und Kohle setzt und die Erneuerbaren Energien (EE) mit Füßen tritt. "Rechnet man die in der Regel bereits jahrzehntelang betriebenen und abgeschriebenen Wasserkraftanlagen heraus und betrachtet nur die neuen EE-Anlagen, dann reduziert sich der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bei RWE auf nur 0,4 Prozent." Im RWE-Spot wird die Kohle, mit deren Verbrennung RWE rund 70 Prozent seiner Energie gewinnt, auf ein bisschen Sandkastengebuddel heruntergespielt. Dabei ist der Konzern dank Kohleverfeuerung der größte CO2-Emittent Europas. Insgesamt bläst RWE mit seinen Tochterfirmen jährlich rund 150 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre – eine Menge, die dem Fünftel der deutschen Gesamtemissionen entspricht. Atomkraftwerke, mit denen RWE in Deutschland knapp 20 Prozent der bereitgestellten Energie erzeugt, werden im Spot gar nicht erst erwähnt. http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/rwe_emremichtig_emwemenig_emeemrneuerbare_energien/ Clean Tech Media Award Auch der Clean Tech Media Award bezeichnet sich als Deutschlands grüner Teppich, dient letztendlich aber vorwiegend dem Greenwashing von Konzernen. Am 16.09.2011 fand in Hamburg mit großem Aufwand und Stars wie Bob Geldoff die Verleihung des Clean Tech Media Award statt. Obwohl die vorgestellten Clean Tech Projekte zum großen Teil sehr lobenswert sind, fragte man sich bei einigen Projekten jedoch, warum die Jury sich gerade dafür entschieden hat. So wurde einem namhaften Küchenhersteller der Vorzug vor zwei wirklich innovativen Projekten wie mehrfach vollrecyclebarer Kleidung und dem energetisch voll autarken Haus gegeben. Auch die Entscheidung für eine Fluggesellschaft, die den umstrittenen Biokraftstoff zum Fliegen benutzen will, kann nicht überzeugen, denn für Biokraftstoffe werden Regenwälder abgeholzt. Diese Dinge werden auch nicht dadurch nachhaltiger, dass man "Bio" draufschreibt. Was einen jedoch wirklich sauer aufstoßen ließ, war die Tatsache, dass der mächtige Sponsor Vattenfall über dem Clean Tech Media Award prangte. Immerhin gehört Vattenfall zu den größten Dreckschleudern Europas! "Vattenfall ist Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter", kritisiert Karsten Smid von Greenpeace. Der Energiekonzern pustet für jede erzeugte Kilowattstunde 1070 Gramm Kohlendioxid in die Luft. Das ist fast doppelt so viel wie der deutsche Durchschnitt, der bei 575 Gramm liegt. Erneuerbare Energien machen beim Strommix von Vattenfall nur einen Bruchteil aus. Nach eigenen Angaben hat Vattenfall gerade mal einen Anteil von 0,1 Prozent am deutschen Energiemix. Hinzukommt, dass die Erneuerbaren Energien, die sich Vattenfall extra vom renommierten OK-Power-Label hat zertifizieren lassen, nicht aus Deutschland stammen, sondern aus Norwegen. Der Energiekonzern Vattenfall betreibt mit seiner Werbung zu Autostrom abermals Greenwashing. Das passt gut zu Opel, einem weiteren Sponsor des Clean Tech Media Award und dem dort vorgestellten Pseudo-Elektroauto Opel Ampera (Hybridfahrzeug mit nur 60 km elektrischer Reichweite für 43.000 Euro). Schließlich wollen die Energiekonzerne ganz groß mit der Autoindustrie ins Geschäft kommen, wenn es um Elektroautos und den Ladestrom geht... Mit der Werbung "Hamburg tankt grünen Strom" soll der Eindruck erweckt werden, dass Vattenfall ein fortschrittlicher Energieversorger sei, der ganz Hamburg mit grünem Strom zum Tanken versorgt. In Wirklichkeit sieht das aber anders aus: Über 90% des von Vattenfall in Deutschland produzierten Stroms stammen aus der Verbrennung von Kohle und auch der Strom aus den Elektroauto-Tanksäulen ist nicht garantiert grün. Doch mit viel Geld kann man viel Rummel machen und so die Menschen begeistern. So müsste die Veranstaltung an sich heißen: Clean Wash Media Award. http://www.greenpeace.de/themen/energie/nachrichten/artikel/vattenfall_will_sich_gruen_waschen/ http://www.kirstenbrodde.de/?p=797 http://www.youtube.com/watch?v=HkhXpQnqWtY http://www.energiewind.at/?id=160 http://www.forumue.de/fileadmin/userupload/rundbriefe/201103.pdf http://www.cleantech-award.de/ Weitere Beispiel für Greenwashing sind Diesel-Partikelfilter, die aus Schadstoffpartikeln nun ultrafeine Partikel machen, die nur noch die Größe von Nanoteilchen haben und damit nicht nur lungengängig, sondern auch zellgängig geworden sind und so noch mehr Dieselkrebs fördern! http://umweltbrief.org/neu/html/Umweltbrief_spezial_Feinstaub.html Biokraftstoff (Agrosprit), der dem Klima und der Gesundheit schadet sowie zu Monokulturen und Lebensmittel-Verteuerungen führt. Auch Öl-Konzerne schmücken sich gern damit, doch hauptsächlich betreiben sie weiterhin Tiefseebohrungen. http://umweltbrief.org/neu/html/Biosprit.html Energiesparlampen, die nun zur Pflicht geworden sind, obwohl Lichtstrom nur ein Prozent des Energieverbrauchs ausmacht. Energiesparlampen sind meist gar nicht energieeffizient, erzeugen jedoch ein sehr ungesundes Blitzlichtgewitter und sind zudem schlecht recyclebar. http://umweltbrief.org/neu/html/archiv/Energiesparlampe.txt Hausdämmungen mit umweltschädlichen Hartschaumprodukten (z.B. Polystyrol oder Polyurethan) Öko-Label für SUV, bei denen Geländewagen teils besser wegkommen als spritsparende Kleinwagen. http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,778189,00.html Mild-Hybridfahrzeuge mit großem Verbrennungsmotor, wie z.B. Mercedes S 400 und Porsche Cayenne. Wasserstoff- und Brennstoffzellenantrieb, also Technolgien, die aufgrund der hohen Explosionsgefahr von Wasserstoff in absehbarer Zeit nicht serientauglich sein werden, aber enorme Forschungsgelder aus Steuergeldern verschlingen. PET-Mehrwegflaschen, die sich nur mit großem Aufwand und auch nur teilweise recyclen lassen. Zudem gehen die Weichmacher in das Getränk über. http://umweltbrief.org/neu/html/archiv/PET-Mehrwegflaschen.txt Bioprodukte, in denen Sägemehl, Geschmacksverstärker, Nanotech oder Zucker als natürlich bezeichnet werden. Als "Öko" oder "regional" angebotene Produkte, die gar nicht regional und öko sind (z.B. weil sie 14.000 km entfernt produziert werden und dadurch ihr ökologischer Fußabdruck viel zu groß ist). Supermärkte, die "Fair-Trade"-Kampagnen betreiben, in Wirklichkeit jedoch unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Bangladesh etc. fertigen lassen. McDonald's mit grünem Logo, obwohl diese Firma Unmengen an Verpackungsmüll produziert und die Massentierhaltung mit Antibiotika etc. ankurbelt. Banken, die mit grünen Geldanlagen werben, aber hauptsächlich Atomkraftwerke und Waffenschmieden finanzieren. Stromtankstellen der Energiekonzerne für Elektroautos, die dann in Wirklichkeit mit Kohle- und Atomstrom bedankt werden. RWE, Vattenvall, EOn etc. produzieren nämlich kaum Ökostrom. http://umweltbrief.org/neu/html/energietipp.html Abwrackprämie (offiziell sogar als "Umweltprämie" bezeichnet) für Gebrauchtwagen, die jetzt durch neue Pkw ersetzt worden sind, die jedoch noch mehr Sprit verbrauchen. Das vorzeitige Verschrotten der Autos diente zwar der Autoindustrie, hat aber unnötig viele kostbare planetarische Ressourcen verschleudert. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/905255/